AUF DEN PUNKT

Cathrin Claußen

„Mach das ordentlich!“

Der Sohn sitzt beim Mittagessen, hat sich seinen Pfannkuchen (Ja, ich weiß, das ist eigentlich kein richtiges Mittagessen.) in der Mitte durchgeschnitten und ist gerade dabei, sorgfältig die eine Hälfte mit (viel) Marmelade zu beschmieren. Ich kratze währenddessen das fast leere Marmeladenglas aus und streiche die Reste auf die andere Hälfte. „Maaaamaaa, neiiiinn!!“, schreit der Sohn völlig verzweifelt. „Da soll doch Nutella drauf, den hab ich doch extra deswegen durchgeschnitten!!!“ Zum Glück gelingt es mir, die Marmelade schnell und spurlos wieder abzukratzen, puh, nochmal gut gegangen… Bloß nicht die Ordnung des Sohnes durcheinander bringen!

Apropos Ordnung… „So, Kinder, nach dem Mittagessen wird aufgeräumt, ich will nachher staubsaugen.“ (Dass ich das will, stimmt natürlich gar nicht, aber ich muss wohl.) „Also: Bitte alles vom Boden aufheben!“ Das sag ich dreimal, weil beim ersten Mal die Kinder mitten im Satz anfangen, sich um die Nutella zu streiten und beim zweiten die Tochter plötzlich – warum auch immer – unter dem Tisch verschwindet. „Habt Ihr mich gehört?“ „Jaja.“

Einige Zeit später komme ich nach oben – in Söhnchens Zimmer liegen sämtliche Klamotten auf dem Fußboden zwischen Playmobilbergen, Legotürmen und Teilen der Murmelbahn. Dazwischen steht die Tochter nebst lauter leerer Spielzeugkisten, das ganze Bett liegt voller Bücher. Ich will gerade losschreien, als der Sohn seelenruhig erklärt, er müsse nun erstmal seine Anziehsachen ORDENTLICH zusammenlegen. „Mama, du musst das auch mal richtig einsortieren! Hier rein kommen die Socken! Und nie find ich meine Hosen. Die da ist blöd, die rutscht immer. Und wo ist überhaupt mein Berlin-T-Shirt?“

„Vielleicht im Wäschekorb mit der frisch gewaschenen (und seit Tagen nicht in die Schränke geräumten) Wäsche in unserem Schlafzimmer“, murmele ich. Oder doch noch in der Schmutzwäsche? Auf der Leine? Zerknirscht werde ich mir mal wieder des eigenen Hangs zum Chaos bewusst. In meinem Büro sieht es auch nicht anders aus, geschweige denn in der Küche. Wie schaffen es manche Menschen bloß, dass sogar im Schrank mit den Tupperdosen Ordnung herrscht?

Der Gatte kommt nach Hause, schmeißt seine Tasche in die Ecke, seine Jacke auf die Couch, häuft ein paar Mappen auf den Küchentisch und lässt seine Schuhe mitten im Flur stehen. Er besitzt es auch nicht – das Ordnungsgen.

Ermattet vom bloßen Gedanken ans Aufräumen (und daran, die Kinder auch dazu erziehen zu wollen) trinken wir erst mal einen Kaffee. Unter dem Tisch schlafen Katzi und Johannes, der Bär.

Plötzlich sind laute, ungewohnte Geräusche zu vernehmen. Alarmiert renne ich nach oben. „Was ist denn, ich hab nur gestaubsaugt“, empfängt mich die Tochter in ihrem aufgeräumten UND sauberen Zimmer. Ich riskiere einen Blick ins Zimmer des Sohnes: Die meiste Kleidung ist vom Boden verschwunden und er sitzt gerade vor diversen Kisten, in die er akribisch Lego und Playmobil ordnet. „Wir haben erst mal alles ausgekippt, damit wir es dann richtig einräumen können. Musst Du auch mal so machen, Mama.“ „Ihr könnte gleich mit der Wäsche weitermachen“, will ich schon vorschlagen und tu es dann doch nicht – lieber nicht gleich übertreiben. Ich fühle mich aber angespornt und schmeiße selbst schnell eine Waschmaschine an. Und was liegt ganz unten im Wäschekorb? – „Hab Dein Berlin-T-Shirt gefunden“, rufe ich und ernte Jubelschreie. Herrliche Zeiten kommen auf uns zu.

(c) Cathrin Claußen, 10.11.2014

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